Zahnchirugie

Unter Zahnchirugie versteht man chirurgische Eingriffe, die nur im Mundraum durchgeführt werden, d.h. die Zähne, den Kiefer und die Weichgewebe betreffen. Die Zahnchirugie ist von der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie abzugrenzen. Diese wird nicht durch Zahnärzte oder in Zahnchirugie weitergebildete Zahnärzte (Oralchirurgen) durchgeführt, sondern durch Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen. Die häufigsten Eingriffe in der Zahnchirugie sind:

Extraktion von Zähnen / Osteotomien

Zahnchirugie: Schief liegender Weisheitszahn
Bild mit freundlicher Genehmigung von www.m-ww.de

Extraktion ist der Fachbegriff für die Entfernung eines Zahnes. Dies ist notwendig, wenn eine tiefe Karies oder eine fortgeschrittene Parodontitis den Zahn “nicht mehr erhaltungswürdig” machen.
Unter einer Osteotomie versteht man ein operatives Durchtrennen von Knochen oder die Ausschneidung eines Knochenstücks. Dies ist erforderlich, um beispielsweise im Knochen liegende Zähne oder Zahnreste, wie z.B. Wurzeln, zu entfernen.

Die Entfernung der im Verlauf des Lebens häufig zu Komplikationen führenden Weisheitszähne ist oftmals eine Osteotomie. Nur selten haben diese Zähne ausreichend Platz, um sich regulär in die Zahnreihe als letzter Zahn einreihen zu können.

Wurzelspitzenresektion

Unter einer Wurzelspitzenresektion versteht man die Freilegung und Entfernung der im Knochen verankerten Spitzen aller Wurzeln eines Zahnes.
Dieser Eingriff dient der Beseitigung von dort vorhandenen Entzündungsherden, die über den Zahnnerv in die Wurzelspitze gewandert sind und nicht mit einer herkömmlichen Wurzelkanalbehandlung behoben werden konnten.
So besteht auch die Möglichkeit, dass bereits der Knochen des Wurzelbereichs infiziert ist oder sich ggf. eine Kieferzyste oder ein Granulom gebildet haben.
Eine Wurzelspitzenresektion bietet die Chance, diesen problematischen Zahnwurzelbereich nochmals zu säubern, gegen Bakterien abzudichten, und den Patienten mit einer Erfolgsquote von 70% vor einem Zahnverlust zu bewahren.

Hemisektion / Wurzelamputation

Unter einer Hemisektion versteht man in der Zahnmedizin die Halbierung eines wurzelkanalgefüllten Zahnes mit dem Ziel, beide Zahnhälften oder eine zu erhalten.
Demzufolge ist dieses Vorgehen nur an bestimmten Zähnen überhaupt denkbar. Es werden meist die unteren großen Backenzähne bei sinnvoller Indikation durchtrennt.
Auslöser ist meist eine Entzündung, welche genau in der Aufspaltung der beiden Wurzeln unter dem Zahnfleisch sitzt. Ist der Zahn trotz allem im Sinne einer Parodontaltherapie zu erhalten oder für eine prothetische Konstruktion unabkömmlich, stellt die Hemisektion einen lohnenswerten Versuch dar.
Voraussetzung ist allerdings ein hochmotivierter Patient, der bereit ist, dem Zahnverlust nochmals zu trotzen. Eine gute Mundhygiene ist hierbei unabkömmlich.
Die Wurzelamputation ist im Gegensatz zur Hemisektion die Entfernung eines Wurzelanteils eines Zahnes. So kann zum Beispiel im Oberkiefer die gaumenseitige Wurzel der hinteren Backenzähne bzw. die vordere oder hintere Wurzel der Unterkieferbackenzähne unter Erhalt des restlichen Zahnes entfernt werden.
Das operative Vorgehen verhält sich wie bei einer Zahnentfernung, allerdings ausschließlich bezogen auf die nicht erhaltenswürdige Wurzel.

Zum Einsatz kommt eine so spezielle Behandlung z.B. bei Wurzeln, deren Zahnhalteapparat begrenzt zerstört ist, d.h. tiefe Parodontale Taschen auftreten, oder die eine tiefe Wurzelkaries aufweisen. Es muss durch den Zahnarzt auf jeden Fall taktil und röntgenologisch abgeklärt werden, ob die restlichen Wurzeln des Zahnes erhaltenswürdig sind, so dass der chirurgische Aufwand für den Patienten erfolgsversprechend ist.

Abszeß-Therapie

Incision ist der therapeutische Begriff zur Behandlung eines Abszesses. Im medizinischen Bereich versteht man darunter eine operative Spaltung mit einem Skalpell eventuell unter Zuhilfenahme einer chirurgischen Präparierschere.
Schichtweise wird Gewebe durchtrennt, um eine mit Flüssigkeiten wie Gewebeflüssigkeit, Eiter oder Blut gefüllte Schwellung zu eröffnen. Ein so genannter Abszess kann von außen oder von innen (d.h. vom Mundraum her) eröffnet werden. Ggf. ist trotz chirurgischer Unterstützung eine Antibiotika-Einnahme unumgänglich.

Korrektur von Lippen- und Wangenbändchen

Lippen- und Wangenbändchen sind dünne Schleimhautbänder, die von der beweglichen Schleimhaut der Wange oder der Zunge zum Rand des Kieferkammes ziehen.
Bei manchen Patienten ist der Ansatzpunkt am Kieferkamm so ungünstig gelegen, dass es durch zu kräftigen Zug am Band zu Zahnfehlstellungen oder zu freiliegenden Zahnhälsen kommt. Diesen falschen Ansatzpunkt kann man mit einem kleinen chirurgischen Eingriff versetzen und dadurch den Zug am Band verringern.

Präprothetische Maßnahmen

Die präprothetische Chirurgie ist ein sehr weitgefächertes Gebiet der Zahnchirugie. Sie beinhaltet alle chirurgischen Eingriffe, die zu einer Verbesserung des Sitzes und der Eingliederung eines Zahnersatzes führen.
Nach einem Zahnverlust wandelt sich der Kieferknochen stetig um. Daher kann das Knochenangebot so nachhaltig verändert sein, dass ein guter Sitz einer Prothese technisch nicht mehr zu gestalten ist.
Ziel eines chirurgischen Eingriffs ist somit, eine belastbare, muskelfreie Knochenoberfläche zu gewinnen bzw. unbelastbare Kieferabschnitte in belastbare umzuwandeln.

In anderen Fällen muss der einen Zahn umgebende Zahnhalteapparat leicht modifiziert werden, um das Gewebe nach einer Kronenversorgung chronisch gesund erhalten zu können.
Verschiedene chirurgische Maßnahmen können durch folgende Situationen im Mund des Patienten zur Anwendung kommen:

Entfernungen von Weichgewebe z.B.:

Entfernungen am Knochen z.B.: